Kehlkopfpfeifen (Laryngealparalyse)

Begriffsbestimmung:
Das  Kehlkopfpfeifen ist eine akustisch wahrnehmbare,
bleibende  Störung derjenigen Kehlkopffunktionen, die der
Regulation des Luftstromes dienen. In erster Linie erkranken große,
seltener mittelgroße Pferde.
Unter Kleinpferden und Ponys ist das Leiden so gut
wie unbekannt. Heute erkranken vorwiegend Sportpferde
bis zum Alter von 6 Jahren.
Allerdings können auch bis zum Alter von 12 Jahren noch
Erkrankungen auftreten. Jenseits dieser Altersgrenze sind
Neuerkrankungen nicht üblich. Bei über 90 % der Fälle
liegt eine linksseitige Kehlkopflähmung vor.
Ursachen:
Die gestörte Kehlkopffunktion ist auf eine Degeneration
der die Kehlkopfmuskeln versorgenden motorischen Nerven,
in erster Linie des  linksseitigen N. recurrens zurückzuführen.
Die bevorzugte Erkrankung des linken Nerven wird mit anatomischen
Besonderheiten begründet,  die bei langhalsigen Pferden zu extremer
Dehnung der Nerven führen.
Vergiftungen  und  verschiedene Infektionen können seine
Schädigung begünstigen.
Erscheinungsbild:
Klassisches Symptom ist ein während der Einatmung hörbares
Stenosegeräusch, das sich während körperlicher Belastung als Pfeifen
oder Rohren darstellt, und ein vom Grad der Luftwegsverengung
abhängiger Leistungsabfall, der beim Rennpferd besonders auffällt.
In den Anfangsstadien ist ein schwacher Pfeifton während körperlicher
Belastung zu hören, der bei längerer Bewegung an Intensität zunimmt.
Tritt der Ton zu Beginn der Erkrankung erst bei Maximalbelastungen
auf, so kann er im weiteren Verlauf schon bei leichter Trabarbeit hörbar
werden. Die Pferde verlieren ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit,
da der Luftstrom zu den Lungen beträchtlich eingeschränkt ist.
 Atemgeräusche  können  verschiedene  Ursachen haben.
Einatmungsgeräusche werden oft bei Pferden festgestellt,
die untrainiert sind oder längere Zeit mit dem Training ausgesetzt haben.
Diese Geräusche verlieren sich bei regelmäßiger Trainingsbelastung.
Manchmal entstehen Geräusche auch, wenn Pferde die Zunge über
das Gebiß legen und die Zügel angezogen werden. Sind die Zügel gelockert,
verschwinden sie wieder. Asymmetrischer Luftstrom durch die Nüstern
deutet auf Verengungen im Bereich von Nüstern und Nasengängen hin.
Die Gaumensegellähmung führt bei maximaler Belastung zu akuter Atemnot.
Atemgeräusche treten  hier während  der Ausatmung auf.
Die Diagnose wird auf der Grundlage des mit der Einatmung
wahrzunehmenden typisch pfeifenden  Atemgeräusches  gestellt,  das entsteht,
wenn ein starker Luftstrom an der Kante des gelähmten Stimmbandes
gebrochen wird. Das Geräusch kann in fortgeschrittenen Fällen
in  Ruhe  provoziert werden, wenn man den Pferden die Nüstern zuhält
und sie danach einige Male heftig einatmen. In der Bewegung erkennt man
die Einatmung daran, daß die Nüstern maximal geweitet sind.
Gesunde Pferde haben bei der Einatmung nur schwache Atemgeräusche.
Zur  Sicherung  der Diagnose ist es notwendig, eine endoskopische
Untersuchung des Kehlkopfes durchzuführen.
Dabei werden die typische Asymmetrie der Stimmbänder sowie
der herabhängende Gießkannenknorpel sichtbar.
Es ist zu berücksichtigen, daß eine  schwache  Asymmetrie  des  Kehlkopfes
nicht krankhaft sein muß.
Behandlung:
Die Behandlung der unheilbaren Lähmung ist nur auf chirurgischem Wege
möglich. Zwei Verfahren stehen zur Auswahl:
- Es ist eine Dauertracheotomie möglich. Dem Pferd wird operativ ein
Tracheotubus in die Luftröhre eingesetzt, und das Pferd atmet die Luft unter
Umgehung des Kehlkopfes direkt in die Luftröhre ein. Der Vorteil dieses
Verfahrens liegt darin, daß die Pferde kurzfristig wieder arbeits- und
leistungsfähig sind. Nachteilig ist der aufwendige tägliche Wechsel der
Tracheotuben.
- Heute wird in der Regel eine plastische Operation am Kehlkopf durchgeführt,
die den eingeengten Kehlkopfinnenraum erweitert und eine ungehinderte Passage
des Luftstromes gestattet. Dieses Verfahren hinterläßt am Tier keine sichtbaren
Veränderungen und hat sich als äußerst wirksam erwiesen.
Wichtig ist allerdings, daß die Pferde nach der Operation 12 Wochen lang totale
Stallruhe erhalten, damit eine vollständige Heilung am Kehlkopf eintreten kann.

Nachtrag:
Kehlkopfpfeifen wird nach einem neuen Verfahren behoben.
Bei diesem Eingriff wird das Stimmband am Kehlkopf festgenäht.
Die Kosten für den Eingriff sind von Klinik zu Klinik verschieden, sind
aber zwischen 600 und 1200 € etwa zu kalkulieren.