Begriffsbestimmung:
Die periodische Augenentzündung oder Mondblindheit ist eine Erkrankung
der mittleren Augenhaut (Gefäßhaut), für die ein rezividierendes
Auftreten
typisch ist, und die im Gefolge den gesamten Augapfel erfaßt.
Die häufig dadurch eintretende bleibende Beeinträchtigung
der Sehfähigkeit
oder gar Erblindung macht sie zur bedeutendsten Augenerkrankung des
Pferdes.
Ursachen:
Die Ursachen sind bis heute nicht völlig geklärt. Neben erblichen,
klimatischen
und territorialen Faktoren werden diskutiert:
- Autointoxikation durch Resorption von unvollständig abgebauten
Eiweißstoffen, die im Zusammenhang mit Verdauungsstörungen
durch
verdorbenes Futter oder schädliche Futterbeimengungen
(Schimmelpilze, Fäulnis- und Gärprodukte) entstehen.
- Eindringen von Parasiten in das Auge (Mikrofilarien).
- Virusinfektionen, insbesondere der oberen Luftwege.
- Leptospireninfektionen.
In neuerer Zeit neigt man dazu, als Ursache der periodischen Augenentzündung
des Pferdes allergische Vorgänge anzunehmen, die durch wiederholte
Einwirkung
kleiner Mengen toxischer Stoffe oder Krankheitserreger hervorgerufen
werden.
Somit können alle angeführten Faktoren eine Rolle spielen.
Erscheinungsbild:
Das Krankheitsbild ist durch die Erscheinung einer anfallsweisen
wiederkehrenden
Gefäßhautentzündung mit starken Schmerzen gekennzeichnet,
die häufig mit
einer Bindehaut- und Hornhautentzündung verbunden ist. Man unterscheidet
einen akuten
und einen chronischen Verlauf.
Ersterer beginnt mit starker Lichtscheue, Lidkrampf, Tränenfluß,
Bindehaut- und
Hornhautentzündung. Mitunter bleiben das die einzigen Anzeichen.
Sie werden dann leicht
übersehen. Im allgemeinen schließen sich jedoch in den folgenden
Tagen
Krankheitserscheinungen, wie eine verschwommene Oberfläche der
Regenbogenhaut,
Pupillenverengung, träge Pupillenreaktion und die Ansammlung eines
blutiggelblichen
Exsudats in der vorderen Augenkammer, an.
Das Allgemeinbefinden kann geringgradig gestört sein, die Körpertemperatur
um 1 C ansteigen. Nach fünf Tagen bilden sich die Entzündungserscheinungen
zurück und sind in der Regel nach 14 Tagen verschwunden. Nur nach
genauer
Untersuchung kann man feststellen, daß das scheinbar gesunde
Auge Überreste
der Entzündung zurückbehalten hat. In Ausnahmefällen
erstreckt sich der
Anfall über mehrere Wochen. Im Vordergrund stehen dann entzündliche
Erscheinungen der Regenbogenhaut ohne Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens.
Klingen die akuten Erscheinungen rasch ab, so kann nach 4 bis 6 Wochen
mit einem neuen
Anfall gerechnet werden, dem in größeren Zeitabständen
weitere folgen.
Vorherrschend sind dann Verwachsungen zwischen Regenbogenhaut und Linse.
Die Pupille ist verzerrt, der Rand ausgefranst.
Auf der Linsenoberfläche können braune, von der Regenbogenhaut
stammende
Gewebsfetzen erkennbar sein.
Durch mangelnde Ernährung wird die Linse trüb und durch Lösung
des
Aufhängebandes kann eine Linsenverlagerung eintreten .
Das Übergreifen der Entzündung auf die Netzhaut und den Sehnerv
führt
schließlich zur völligen Erblindung. Im Endstadium wird
der Augapfel kleiner und
weicher. Gewöhnlich beginnt die Krankheit an einem Auge.
Im Verlauf weiterer Anfälle kann aber auch das andere Auge mit
erkranken.
Erfahrungsgemäß werden vornehmlich jüngere Pferde bis
zu einem Alter
von 7 Jahren befallen.
Behandlung:
Die Behandlung erstreckt sich auf örtliche und allgemeine Maßnahmen.
Sie zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern und entzündliche Ergüsse
im
Auge zu beseitigen. Beides kann durch warme Umschläge und Kompressen
erzielt werden, die mehrmals täglich zu wiederholen sind (30 min
Dauer).
Um Verklebungen der Regenbogenhaut mit der Linse zu verhindern,
muß die Pupille weit gestellt werden.
Das erreicht man mit Atropinaugentropfen, die man einmal am Tag ins
Auge
träufelt.
Schließlich ist es möglich, die
entzündlichen Vorgänge selbst mit Hilfe
von Medikamenten einzuschränken. Dafür eignen sich Glukokortikoide
in
Kombination mit einem Antibiotikum, die in Salbenform am Auge oder
durch Injektion verabreicht werden.
Vorbeuge:
Besonderes Gewicht besitzen Maßnahmen, die mithelfen können,
die Krankheit zu verhindern. So sollten die Verabreichung von faulem,
muffigem, schimmelpilzbefallenem Futter verhindert werden und alle
haltungshygienischen Mängel und übermäßigen
Belastungen unterbleiben,
die die Widerstandskraft des Pferdes mindern können.
Der Gefahr der Ansteckung mit Leptospiren ist durch Bekämpfung
von Schadnagern zu begegnen, die diese Krankheit übertragen.
Vorbeugend kann auch eine regelmäßige Parasitenbekämpfung
wirken.
Nach wie vor ist die periodische Augenentzündung des Pferdes eine
Erkrankung, die auf Grund ihrer Rezidivierungsneigung auch
bei
scheinbarer Gesundung des Auges als ernst und ungünstig einzuschätzen
ist.
Die Sehfähigkeit geht um so schneller verloren, je heftiger die
Entzündungserscheinungen ablaufen.